|
Standardpflegeplan Adipositas |
- Adipositas, also ein
krankhaftes Übergewicht, ist in der
westlichen Welt die häufigste Form der
Fehlernährung. Mehr als 40 Prozent aller
Deutschen über 40 Jahre sind übergewichtig.
- Ausgelöst wird die
Krankheit durch eine Vielzahl von Faktoren,
darunter eine genetische Disposition,
Überernährung oder mangelnde Bewegung.
Letztlich steigt das Risiko von
Folgeerkrankungen, wie etwa Diabetes
mellitus, Hypertonie, Arteriosklerose oder
Gicht.
- Adipositas liegt vor,
wenn das Gewicht mindestens 10 Prozent über
dem Broca-Normalgewicht liegt oder ein BMI
von mindestens 25 erreicht wird. Abhängig
vom BMI wird Adipositas in drei
Ausprägungsgrade unterteilt:
- Adipositas Grad
1: 25 bis 30
- Adipositas Grad
2: 30 bis 40
- Adipositas Grad
3: größer als 40
Die langfristigen
Erfolgsaussichten für die Behandlung von
Adipositas sind gering. Verschiedene Studien
geben die Heilungschancen mit 5 bis 40 Prozent
an.
Anmerkung:
- Standardpflegepläne
geben für spezielle Pflegeprobleme die
typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Adipositas.
Standardpflegepläne umfassen generelle und
potentielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen
und Pflegeziele.
- Aus diesem Grund
erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die
Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den
Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
- Jede Pflegefachkraft
ist gehalten, diese generellen
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und
Pflegeziele auf Relevanz zu überprüfen und
auf die individuellen Einschränkungen und
Ressourcen des jeweiligen Bewohners /
Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim
Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und
ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem
aktuellen Stand sein sollten.
|
|
Pflegeproblem |
Pflegemaßnahmen |
Pflegeziel |
|
Sich bewegen |
- Der Bewohner bewegt sich
körperlich nicht ausreichend.
- Das Herzkreislaufsystem ist
selbst im Ruhezustand an der Belastungsgrenze.
- Der Bewohner ermüdet rasch
und wird schnell kurzatmig.
|
- In enger Absprache mit dem
Hausarzt entwickeln wir ein Mobilisierungsprogramm,
mit dem wir die Kondition des Bewohners schrittweise
steigern.
- Wir raten dem Bewohner dazu,
sich im Rahmen seiner Möglichkeiten körperlich
stärker zu bewegen. Rad fahren, z.B. auf einem
Hometrainer, schwimmen, zügiges gehen sollte auch im
Alter möglich sein.
- Wichtig ist die Beständigkeit
der körperlichen Aktivität. Wir ermutigen den
Bewohner, sich jeden Tag zu bewegen.
- Vielen Senioren fällt es
leichter, sich in einer Gruppe körperlich zu
betätigen. Daher vermitteln wir auf Wunsch den
Kontakt zu einem lokalen Sportverein oder der
Gymnastikgruppe im Altenheim.
- Die Vitaldaten werden bei
diesen Bewegungsübungen engmaschig überwacht. Der
Bewohner wird für jeden Fortschritt gelobt.
- Bei Atemnot erhält der
Bewohner nach ärztlicher Verordnung Sauerstoff.
|
- Der Bewohner wird im Rahmen
seiner Möglichkeiten mobilisiert.
- Gesundheitsgefährdungen durch
eine Überbeanspruchung werden vermieden.
|
- Der Bewegungsapparat ist
durch die jahrelange Überbeanspruchung stark
geschädigt.
|
- Wir vermeiden solche
Bewegungs- und Sportarten, bei denen das Skelett und
die Bänder besonders beansprucht werden. Wir
bevorzugen Sportarten, bei denen die Gelenke geführt
oder generell weniger belastet werden, etwa
Schwimmtraining, Fahrradfahren oder Sitztanz.
- Wir prüfen, ob der Bewohner
Mobilitätshilfen nutzen sollte, wie etwa einen
Rollator.
- Wir prüfen den Einsatz
weiterer Hilfsmittel wie etwa die Nutzung eines
erhöhten Toilettensitzes, Haltegriffen im Badezimmer
usw.
- Wir achten auf eine
umfassende Kontrakturenprophylaxe. Insbesondere
werden die Gelenke in der physiologischen Position
gelagert.
- Wenn der Bewohner unter
Schmerzen leidet, nutzen wir kühlende Umschläge.
|
- Der Bewohner wird im Rahmen
seiner Möglichkeiten mobilisiert.
- Die Schmerzbelastung wird
minimiert.
|
- Der Bewohner leidet unter
Gicht.
|
- Die verschriebenen
Medikamente werden sorgfältig eingenommen. Dazu
zählen etwa nichtsteroidale Antiphlogistika,
Colchicin und in schweren Fällen ACTH oder
Glukokortikoide.
- Die betroffenen Gelenke
werden ggf. ruhiggestellt.
- Wir nutzen feucht-kalte
Umschläge.
|
- Die Gicht wird angemessen
behandelt.
- Die Schmerzbelastung wird
minimiert.
|
- Der Bewohner ist immobil.
|
- Wir führen alle notwendigen
Prophylaxen durch, insbesondere gegen Dekubitus,
Pneumonie, Thrombosen und Deprivation.
- Bei Transfers sollte stets
eine zweite Pflegekraft als Unterstützung eingesetzt
werden.
- Wir leiten den Bewohner zu
vorsichtigen Bewegungsübungen im Bett an. Nach
Möglichkeit sollte der Bewohner mehrmals am Tag im
Bett aufgerichtet werden und einige Minuten sitzend
auf der Bettkante verbringen.
|
- Der Bewohner wird so
früh wie möglich und so weit wie möglich
mobilisiert.
- Folgeerkrankungen werden
vermieden.
|
- Die Sturzgefahr ist aufgrund
der Körpermasse erhöht.
|
- Das individuelle Sturzrisiko
wird regelmäßig ermittelt.
- Wir entfernen Stolperfallen
im Umfeld des Bewohners.
- Ggf. erhält der Bewohner
Hüftprotektoren.
- Der Bewohner sollte stets
festes Schuhwerk tragen.
- Der Bewohner sollte einen
guten Gehstock oder einen Rollator nutzen.
|
- Der Bewohner stürzt nicht.
- Die Folgen eines Sturzes
werden minimiert.
|
|
Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten |
- Die Auslöser der Adipositas
sind nicht bekannt.
|
- Wir prüfen, welche Ursachen
für das Übergewicht relevant sind:
- gestörte Energiebilanz,
die dazu führt, dass mehr Kalorien aufgenommen
als verbraucht werden
- Fehlernährung, also ein
zu hoher prozentualer Anteil von Fett und Zucker
bei konsumierten Speisen
- Überernährung, also der
Konsum von zu vielen Kalorien
- hormonelle Störungen,
etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse oder
eine Fehlregulation der Hypophyse
- mangelnde Bewegung
- genetische Faktoren
|
- Die Ursachen der Adipositas
werden ermittelt.
|
- Das Ausmaß der Adipositas ist
nicht bekannt.
- Das Gewicht des Bewohners
schwankt.
|
- Bei allen Bewohnern berechnen
wir alle drei Monate den Body-Mass-Index. Bei
gesundheitlichen Veränderungen sowie sichtbarem
Gewichtsverlust wird diese Berechnung in kürzeren
Zyklen durchgeführt.
- Die Gewichtsabnahme sollte
einen Wert von 500g pro Woche nicht überschreiten.
- Damit die Messung hinreichend
genau ist, müssen verschiedene Kriterien erfüllt
sein:
- Der Bewohner wird stets
zur gleichen Zeit gewogen, also etwa immer
morgens vor dem Frühstück.
- Der Bewohner wird immer
auf der gleichen Waage gewogen.
- Das Gewicht der Kleidung
sollte nicht unnötig variieren.
- Der Bewohner sollte vor
dem Wiegen die Toilette aufsuchen.
- Aus den gewonnen Daten wird
der Body Mass Indes (BMI) ermittelt.
- Zusätzlich zum BMI
ermitteln wir bei unseren Bewohnern ggf. den
Taillen- und Hüftumfang (WHR). Wir nutzen dafür
einen Fettcaliper. Wir versuchen damit zu
klären, ob das Fettgewebe hauptsächlich im
Bauchraum ("Apfeltyp") angesetzt wird oder eher
im Bereich der Hüfte, Gesäß und Oberschenkel
("Birnentyp"). Ein gefährliches
Fettverteilungsmuster liegt vor, wenn bei Frauen
ein Quotient von 0,85 und bei Männern ein
Quotient von 1,0 erreicht wird.
|
- Das aktuelle Gewicht und die
Fettverteilung sind jederzeit bekannt.
- Wir können abschätzen, ob die
gewählten Maßnahmen zur Gewichtsreduktion
erfolgreich waren.
|
- Der Bewohner hat nur mäßiges
Übergewicht. Es liegen ansonsten keine
Gesundheitsprobleme vor, die auf Adipositas
zurückgeführt werden können.
|
- Wir wägen stets ab, ob
überhaupt Maßnahmen erforderlich sind. Maßgeblich
bei der Beratung des Senioren darf nicht das
Schlankheitsideal der Pflegekraft sein, sondern das
individuelle Wohlfühlgewicht des Bewohners. Dieses
kann durchaus etwas oberhalb des Idealgewichtes
liegen.
- Gleichzeitig beraten wir den
Bewohner und machen ihn darauf aufmerksam, dass auch
ein mäßiges Übergewicht viele Risiken, etwa für
Schlaganfälle, steigen lässt.
|
- Das Selbstbestimmungsrecht
des Bewohners bleibt gewahrt.
- Der Bewohner ist in der Lage,
die gesundheitlichen Risiken abzuschätzen.
|
- Der Bewohner nimmt
Medikamente ein (vor allem Psychopharmaka), die über
eine Appetitsteigerung zu Übergewicht führen.
|
- Gemeinsam mit dem Hausarzt
wägen wir ab, ob der Nutzen des Präparats die
Risiken durch Adipositas aufwiegt.
- Ggf. prüfen wir die Nutzung
alternativer Wirkstoffe.
|
- Die Nebenwirkungen der
Medikamente werden sorgfältig überwacht und Schäden
minimiert.
|
- Der Bewohner leidet unter
Hypertonie.
|
- Der Kochsalzkonsum wird
reduziert.
- Wir verdeutlichen dem
Bewohner die mit der Hypertonie verbundenen Gefahren
und drängen auf eine umfassende Kooperation bei der
Normalisierung des Körpergewichts.
- Stressfaktoren werden
reduziert.
- Der Blutdruck wird engmaschig
überwacht.
- Verschriebene Medikamente,
insbesondere Betablocker, werden kontinuierlich
eingenommen.
|
- Die mit Adipositas
verbundenen Krankheiten werden vermieden und die
gesundheitlichen Risiken werden minimiert.
|
- Trotz aller Versuche gelingt
es dem Bewohner nicht, das Gewicht spürbar zu
reduzieren.
|
- Als eine der letzten Optionen
erwägen wir den Einsatz von geeigneten Medikamenten
(Antiadiposita), etwa Orlistat. In diesem Fall kann
es zu Fettstühlen kommen. Außerdem kann ein Mangel
an fettlöslichen Vitaminen auftreten.
- Appetitzügler sind aufgrund
der zahlreichen Nebenwirkungen etwa auf das Herz und
auf die Lunge nicht zu empfehlen.
- In letzter Konsequenz prüfen
wir die operative Verringerung des Magenvolumens
mittels Implantation eines Magenbandes.
|
- Radikale Möglichkeiten zur
Gewichtsreduktion werden mit Augenmaß und als
letztes Mittel genutzt.
|
- Aufgrund der hohen
Körpermasse und der eingeschränkten Mobilität ist
das Risiko eines Dekubitus erhöht.
|
- Wir ermitteln regelmäßig den
individuellen Gefährdungsgrad.
- Der Bewohner wird konsequent
mobilisiert.
- Der Bewohner wird im Bett
regelmäßig umgelagert. Wir nutzen die
30°-Seitenlagerung rechts und links, V-Lagerung,
A-Lagerung, T-Lagerung, Bauchlage und Rückenlage.
- Der Hautzustand des Bewohners
wird engmaschig überwacht.
|
- Ein Dekubitus wird vermieden.
- Das Auftreten eines
Druckgeschwürs wird frühzeitig registriert.
|
- Der Bewohner leidet unter
Gallensteinen.
|
- Wir achten auf eine
angemessene Schmerzmittelbehandlung.
- Wir achten darauf, dass der
Bewohner die verschriebenen Medikamente korrekt
einnimmt.
- Wir bereiten den Bewohner
darauf vor, dass sich oftmals eine Operation nicht
vermeiden lässt. Bei dieser wird die Gallenblase
entfernt.
|
- Die Schmerzbelastung wird
minimiert.
- Der Bewohner erhält eine
angemessene ärztliche Behandlung.
|
|
Sich pflegen |
- Der Bewohner verfügt über
ausgeprägtes Fettgewebe. Es bilden sich umfangreiche
Hautfalten.
|
- Der Bewohner wird zu einer
guten Körperpflege angeleitet. Ggf. wird er dabei
unterstützt.
- Beim Waschen des Bewohners
achtet die Pflegekraft genau darauf, auch die
Körperfalten sorgfältig zu trocknen.
- Wir legen Mullstreifen
zwischen die Hautfalten und vermeiden somit, dass
Haut auf Haut liegt.
- Der Hautzustand wird täglich
überprüft.
- Die ärztlich verschriebenen
Tinkturen und Salben werden sorgfältig aufgetragen.
|
- Die Bildung von Intertrigo
wird vermieden.
|
- Der Bewohner schwitzt sehr
stark.
|
- Wir sorgen dafür, dass der
Bewohner nicht zu warm bekleidet ist. Dieses würde
das Schwitzen nur noch steigern.
- Durchgeschwitzte Kleidung
wird umgehend gewechselt.
- Der Bewohner wird ggf.
zweimal täglich mit lauwarmem Wasser gewaschen.
- Der Bewohner soll
Pflegeprodukte nutzen, die die Geruchsbelästigung
reduzieren.
- Der Bewohner sollte bei der
Wahl der Bettwäsche und Nachtbekleidung auf
Naturprodukte zurückgreifen und Synthetikstoffe
vermeiden.
- Wir prüfen, ob es durch das
Schwitzen zu einer Unterversorgung mit Natrium,
Chlorid oder Magnesium kommt.
|
- Gesundheitliche
Beeinträchtigungen werden minimiert.
- Das Umfeld des Bewohners wird
vor Geruchsbelästigung geschützt. Der Bewohner wird
nicht ausgegrenzt.
- Die Bildung von Intertrigo
wird vermieden.
|
- Der Bewohner leidet unter
Krampfadern an den Beinen.
|
- Der Bewohner soll stehende
Tätigkeiten und langes Sitzen vermeiden. Dazu zählen
etwa längere Busreisen.
- Beim Sitzen sollte der
Bewohner seine Beine hoch lagern. Am Tage kann der
Bewohner einen Stuhl nutzen, um die Füße dort
abzulegen.
- Der Bewohner soll bequeme
flache Schuhe tragen.
- Wir stellen eine ausreichende
Flüssigkeitszufuhr sicher.
- Der Bewohner sollte die Beine
vor Wärmeeinwirkung schützen, also etwa die direkte
Sonne meiden und Saunabesuche unterlassen.
- Wir nutzen kneippsche Güsse.
|
- Die weitere Ausbildung von
Krampfadern wird vermieden.
- Der Bewohner wird vor
gesundheitlichen Schäden geschützt.
|
|
Essen und trinken |
- Der Bewohner benötigt eine
Diät.
|
- Der Bewohner sollte
vornehmlich fettreduzierte Eiweißträger wie
Magerquark, fettarme Käse-, Fleisch- und Wurstsorten
konsumieren.
- Der Bewohner sollte maximal
40g Fett pro Tag konsumieren, und diese bevorzugt
etwa in Form von Keimölen und Diätmargarine.
- Die Nahrung sollte reich an
Stärke und Ballaststoffen sein, etwa Gemüse, Reis,
Vollkornnudeln, Kartoffeln oder Vollkornbrot. Diese
führen schnell zu einem Sättigungsgefühl, können
aber vom Körper nur eingeschränkt verwertet werden.
- Der Anteil von
niedermolekularen Kohlenhydraten sollte möglichst
gering gehalten werden. Diese Stoffe sind vor allem
in Haushaltszucker, Süßigkeiten, Süßspeisen, Kuchen
und süßen Getränken zu finden.
- Als primäre Quelle für
Vitamine und Mineralstoffe sollten Tabletten
reduziert werden zugunsten von Obst und Gemüse.
- Die Zubereitung der Speisen
sollte möglichst schonend geschehen, also etwa im
Backofen, durch Dünsten oder Dämpfen. Das Frittieren
oder (fettreiche) Braten von Nahrungsmitteln sollte
unterbleiben.
- Der Bewohner sollte
mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit zu sich
nehmen, bevorzugt in Form von Wasser oder ungesüßten
Tees.
|
- Der Bewohner stellt sein
Konsumverhalten um und hält sich an die
Diätvorschriften.
|
- Der Bewohner bevorzugt
ungesunde Speisen.
- Der Bewohner unterläuft die
Diät durch den heimlichen Genuss von Süßspeisen.
|
- Der Bewohner wird über die
Folgen seines Handelns und die Risiken der
ungesunden Ernährung aufgeklärt.
- Soweit dieses mit der
Schweigepflicht vereinbar ist, beziehen wir die
Angehörigen ein und bitten diese, entsprechend auf
den Bewohner einzuwirken.
- Jeder Bewohner hat das Recht,
sein Essverhalten eigenverantwortlich zu gestalten.
Wir werden niemals einem Bewohner Essen
vorenthalten, auch wenn dieses zu seinem Besten
wäre.
|
- Der Bewohner führt eine
Radikaldiät durch.
- Der Bewohner konsumiert
Appetitzügler.
|
- Wir raten dem Bewohner
eindringlich davon ab, die Anstrengungen zur
Gewichtsreduktion zu übertreiben.
- Wir verdeutlichen die
Risiken, die mit einer Radikaldiät verbunden sind.
- Falls sich der Bewohner von
seinem Handeln nicht abbringen lässt, muss der
Gesundheitszustand engmaschig überwacht werden.
|
- Der Bewohner vermeidet
radikale Maßnahmen.
- Gesundheitsgefährdungen durch
Radikaldiäten werden minimiert und rechtzeitig
erkannt.
|
|
Der Bewohner ernährt sich ungesund.
Seine Motivation dafür ist unbekannt. |
- Sofern als Hauptfaktor die
falsche Ernährung angenommen werden kann, prüfen wir
die Ursachen dafür:
- fehlerhaft erlerntes
Essverhalten
- psychische Faktoren
("Frustfressen" oder "Kummerspeck" als Reaktion
auf belastende soziale Konflikte)
- gestörtes
Appetitempfinden
- Insbesondere prüfen wir die
Ernährungsgewohnheiten des Bewohners:
- Seit wann leidet der
Bewohner unter dem Übergewicht?
- Was isst der Bewohner
besonders gern und in großen Mengen?
- Wie verteilt der Bewohner
seine Speisen über den Tag?
- Beschäftigt sich der
Bewohner während des Essens mit anderen
Aktivitäten?
- In welchem Beruf hat der
Bewohner gearbeitet? Hatte er dabei viel
Bewegung oder handelte es sich um eine primär
sitzende Tätigkeit?
- Leidet der Bewohner an
unkontrolliertem Essverhalten in Folge einer
Demenz?
|
- Das Verhalten des Bewohners
wird strukturiert beobachtet. Wir sammeln die
relevanten Informationen, um die Gründe für das
gesundheitsschädliche Verhalten zu finden.
|
- Der Bewohner konsumiert
bevorzugt "Light-Produkte", diese allerdings in zu
großen Mengen.
|
- Wir raten dem Bewohner vom
Kauf dieser Produkte ab, da sie ihm eine gesunde
Ernährung lediglich vorgaukeln. Tatsächlich
verleiten diese Angebote dazu, wesentlich mehr als
gewöhnlich zu essen. Zudem sind die Produkte recht
teuer.
|
- Der Bewohner verzichtet auf "Light-Produkte"
und stellt stattdessen seine Ernährung grundlegend
um.
|
|
Das Essverhalten des Bewohners
fördert Adipositas. |
- Wir raten dem Bewohner,
langsam zu essen und die Mahlzeit zu genießen.
- Wir empfehlen dem Bewohner,
die Nahrungszufuhr in den späten Abendstunden
zugunsten des Mittagessens zu reduzieren.
- Der Bewohner sollte Nahrung
nur zu den zuvor geplanten Zeiten zu sich nehmen.
- Der Bewohner sollte beim
Essen alle Ablenkungen meiden, wie etwa fernsehen,
lesen usw.
|
- Der Bewohner ändert sein
Essverhalten. Er trägt aktiv dazu bei, das
Körpergewicht zu reduzieren.
|
- Der Bewohner zählt zu den
"Rauschessern" und neigt zu unkontrollierten
Essattacken.
- Der Bewohner zählt zu den
"Daueressern" und hat ständig einen erhöhten
Appetit.
- Der Bewohner zählt zu den
"Nachtessern", die tagsüber wenig essen, dafür aber
in der Nacht große Mengen Nahrung zu sich nehmen und
den Essvorgang nicht stoppen können.
|
- Wir nutzen ggf. Quellstoffe,
um ein Hungergefühl zu vermeiden. Diese vergrößern
im Magen ihr Volumen, indem sie Flüssigkeit
aufnehmen. Sie erzeugen ein Sättigungsgefühl, werden
dann vollständig abgebaut und ausgeschieden.
- Wir verteilen die drei
Hauptmahlzeiten auf fünf bis sechs kleinere
Mahlzeiten.
- Wir achten darauf, dass keine
Süßigkeiten im Bereich des Bewohners herumliegen.
- Der Bewohner wird
aufgefordert, langsam zu essen und seine Speisen gut
durchzukauen.
- Der Bewohner soll ausreichend
Flüssigkeit zu sich nehmen, also mindestens
eineinhalb bis zwei Liter.
- Hungergefühle zwischen den
Mahlzeiten kann der Bewohner mit Obst stillen.
|
|
Sich beschäftigen |
- Dem Bewohner ist langweilig.
Essen ist für ihn eine Form des Zeitvertreibs.
|
- Wir prüfen, welchen Hobbys
der Bewohner einmal nachging und versuchen, diese
Interessen wiederzuerwecken.
- Wir empfehlen dem Bewohner,
verstärkt die Freizeitangebote in unserer
Einrichtung zu nutzen.
- Wir versuchen den Bewohner
stärker in das soziale Gefüge der Einrichtung zu
integrieren.
|
- Der Bewohner isst nicht aus
Langeweile. Er beschäftigt sich sinnvoll.
|
|
Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten |
- Der Bewohner ist deprimiert,
weil er sich durch die Körperfülle als unattraktiv
empfindet.
|
- Wir beraten insbesondere
Bewohnerinnen zu der Frage, wie man sich trotz
Übergewicht optisch ansprechend kleiden und
schminken kann.
- Wir organisieren regelmäßige
Fahrten zu Bekleidungsgeschäften, die auch
Übergrößen anbieten.
|
- Der Bewohner erhält sein
Selbstwertgefühl.
|
|
Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen |
- Das Übergewicht ist Ausdruck
einer seelischen Störung.
|
- Wir prüfen, ob der Bewohner
eine psychologische Behandlung benötigt, etwa wenn
der überhöhte Nahrungsgenuss massive persönliche
Probleme kompensieren soll.
- Wir prüfen, ob wir in der
Lage sind, dem Bewohner zu helfen. Ggf. wird der
Bewohner einem Facharzt vorgestellt.
|
- Die seelische Erkrankung wird
soweit gelindert, dass sie das Übergewicht nicht
mehr fördert.
|
- Der Bewohner zeigt keine
Kooperationsbereitschaft.
|
- Wir informieren den Bewohner
über sein Krankheitsbild und versetzen ihn in die
Lage, die entstehenden Risiken selbständig
abzuschätzen.
- Wir empfehlen dem Bewohner
ein Ernährungsprotokoll zu führen. In diesem notiert
er, was er wann und warum gegessen hat. Häufig führt
diese Beschäftigung mit der eigenen Ernährung
bereits zu mehr Kooperationsbereitschaft.
|
- Der Bewohner wird von uns
dazu motiviert, sich aktiv an seiner Gesunderhaltung
zu beteiligen.
|
- Der Bewohner ist deprimiert,
da der Gewichtsabbau nach anfänglichen Erfolgen ins
Stocken kommt.
|
- Die Gewichtsreduktion ist
kein kontinuierlicher Prozess, sondern verläuft mal
schneller und mal stockend. Wir unterstützen den
Bewohner und ermutigen ihn, wenn das Gewicht einige
Tage nicht sinkt.
|
- Der Bewohner wird darauf
eingestimmt, dass die Gewichtsreduktion mehrere
Monate dauern wird.
|
- Der Bewohner ist deprimiert,
da er nach Abschluss der Diät wieder zunimmt (sog.
"Jojo-Effekt").
|
- Wir erklären dem Bewohner die
Bedeutung einer auf Langfristigkeit ausgerichteten
Strategie zur Gewichtskontrolle.
|
- Der Bewohner stimmt einer
langfristigen Änderung seiner Lebensweise zu.
|
- Der Bewohner verdrängt die
Ursachen des Übergewichts. Er glaubt an hormonelle
Ursachen für die Adipositas.
|
- Wir machen den Bewohner
darauf aufmerksam, dass Hormonerkrankungen nur sehr
selten als Auslöser in Betracht kommen.
- Wir lassen Hormonerkrankungen
vom Hausarzt als Ursache ausschließen.
|
- Der Bewohner erkennt, dass
sein Handeln der entscheidende Faktor beim Abbau des
Übergewichts ist.
|